Gedanken
Ich habe endlich Zeit für mich. Warum mache ich dann trotzdem nichts damit?
Kennst du das?
Du hast endlich ein bisschen Zeit für dich.
Niemand braucht gerade etwas. Die Kinder sind unterwegs. Die Arbeit ist erledigt. Ein Termin ist ausgefallen.
Eigentlich wäre jetzt genau der richtige Moment, um einfach mal das zu machen, worauf du Lust hast.
Aber dann fällt dir doch noch etwas ein.
Die Küche könnte noch schnell gemacht werden.
Die Wäsche liegt da auch noch.
Eine Nachricht wartet schon seit gestern auf eine Antwort.
Und wenn du schon einmal Zeit hast, kannst du das ja auch schnell erledigen.
Also räumst du noch die Küche auf.
Dann machst du die Wäsche.
Und beantwortest noch schnell die Nachricht.
Eigentlich hattest du doch Zeit.
Nur irgendwie war sie plötzlich wieder weg.
Vielleicht kennst du auch diesen Gedanken:
„Jetzt habe ich schon mal Zeit für mich und mache trotzdem nichts daraus.“
Aber was heißt eigentlich „etwas daraus machen“?
Ein Buch lesen?
Ein Bad nehmen?
Auf der Terrasse sitzen?
Spazieren gehen?
Oder einfach mal eine Stunde gar nichts?
Das alles fühlt sich irgendwie anders an als eine erledigte Aufgabe.
Die Küche ist danach sauber.
Die Wäsche ist weg.
Die Nachricht ist beantwortet.
Man sieht, was man mit der Zeit gemacht hat.
Bei einem Bad sieht man das nicht.
Auf der Terrasse ist hinterher nichts erledigt.
Und ein Buch zu lesen, nur weil man Lust darauf hatte, hat am Ende auch keinen Haken auf der Liste.
Vielleicht ist genau das der Unterschied.
Wir wissen ziemlich gut, was wir mit unserer Zeit anfangen sollten.
Aber was wir eigentlich möchten, wenn gerade nichts erledigt werden muss, ist manchmal gar nicht so leicht zu beantworten.
„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
Eigentlich klingt das ganz vernünftig.
Nur wann ist die Arbeit eigentlich fertig?
Zu Hause gibt es fast immer irgendetwas, das noch gemacht werden könnte.
Und vielleicht wird aus einer Stunde, die eigentlich dir gehört, deshalb ziemlich schnell wieder eine Stunde, in der du Dinge erledigst.
Nicht, weil sie dringend wären.
Sondern weil es sich einfach vertrauter anfühlt, etwas zu tun, das am Ende fertig ist.
Was würde ich eigentlich tun, wenn ich meine Zeit nicht sinnvoll nutzen müsste?
Wenn nichts erledigt werden müsste.
Wenn niemand etwas von mir bräuchte.
Wenn ich diese Zeit nicht rechtfertigen müsste.
Worauf hätte ich dann eigentlich Lust?
AUSTAUSCH
Und bei dir?
Wann fühlt sich Zeit wirklich wie deine eigene an?